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23 Dezember 2014

[ Prosa ] Eine Weihnachtsgeschichte

Nachdem ich, abgesehen vom Blog, auch sonst sehr viel schreibe, möchte ich Euch heute mal daran teilhaben lassen. Deshalb gibt es heute eine kleine Kurzgeschichte von mir, die ich vor einigen Jahren geschrieben hatte.

Eine Weihnachtsgeschichte

Es war einmal ein kleiner Junge. Felix war sein Name. Er hatte alles, was einen kleinen Jungen besonders und einzigartig macht. Sein Haar war goldblond, seine Augen grün wie Smaragde, sein Charakter war gütig und sein Herz voller Wärme.
Doch er war noch sehr klein und er war voller Angst. Es war Heiligabend, als er in einem kleinen Haufen Schnee mitten im Wald erwachte. Seine Rücken tat ihm weh, als hätte er riesigen Muskelkater. Er fühlte mit seinen kleinen Händen nach, weil es sich doch sehr merkwürdig anfühlte. Als er etwas weiches, fedriges berührte, erschrak er und sich windend versuchte er, sich umzudrehen, um herauszubekommen, was hinter ihm war. Doch es war, als würde sich das weiche Dinge hinter ihm verstecken, denn egal wie er sich auch drehte, er sah es immer nur aus dem Augenwinkel. Also strengte er sich noch mehr an und drehte seinen Hals bis er es endlich sah.

Es war kein Tier und auch sonst kein Lebewesen, wovor er sich fürchtete. Er war es selbst. Vielmehr ein Teil von ihm, denn wie durch ein Wunder waren ihm über Nacht Flügel gewachsen. Weiße, kleine Engelsflügel, die - wie durch tausende kleine Sterne erleuchtet - strahlten.
Felix verstand zwar nicht, was es mit den Flügel auf sich hatte, doch er probierte sofort aus, wie sie funktionierten. Anfangs tat er sich schwer, sie überhaupt zu bewegen, doch mit jedem weiteren Versuch, klappte es besser. Und schließlich schlugen seine Flügel so kraftvoll, dass er sich langsam aus dem kleinen Schneeberg unter ihm erhob und mehrere Zentimeter über der Erde schwebte. Daher kam also der Muskelkater in seinem Rücken. Er besaß seine neuen Flügel noch nicht lange und hatte eine weite Reise hinter sich.
Wie er so darüber nachdachte, fiel ihm erst wieder ein, wo er war. Doch im Grunde wusste er genau das eben nicht. Er hatte keine Ahnung, wo er sich gerade befand. Es war dunkel, kalt und Schnee rieselte langsam auf ihn herab. Um ihn herum befanden sich jede Menge Bäume, die aussahen, als könnten sie furchtbar pieken und seine besten Freunde, die Sterne, schienen in nicht greifbare Ferne gerückt zu sein.

Was war aus seiner kleinen, luftigen Wolke geworden, auf der er Abend für Abend von den Sternen in den Schlaf gesungen wurde? Wo war sie hin? Wo war er hier? Seine Angst wurde immer größer und er begann sich einsam zu fühlen. Ein paar Mal drehte er sich um seine eigene Achse, schlug zwei-, dreimal mit seinen Flügeln und beschloss dann, dass er hier nicht bleiben konnte.
Er wurde doch gebraucht. Der Weihnachtsmann brauchte ihn, um all den Kindern auf der Welt ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren. Er war der kleine Engel, der das Strahlen in die Kinderaugen brachte, wenn sie ihre Geschenke auspackten. Er brachte die Wärme in ihre Herzen, wenn sie in die liebevollen Augen ihrer Eltern schauten. Und er schenkte den Kindern Liebe, die weder das eine, noch das andere besaßen.
Warum also war er hier? Es musste einen Grund dafür geben und den galt es herauszufinden. Also breitete er seine Flügel aus und erhob sich über die Baumwipfel, um eine bessere Sicht zu haben. 

Weit oben über den Bäumen sah er es dann plötzlich. Ein warmes Glühen in weiter, weiter Ferne. Wie magisch schien es ihn anzuziehen und so machte er sich auf den Weg dorthin, nicht ahnend, was dort auf ihn zukommen würde. Doch er war zu einsam, um noch länger in Furcht zu erstarren. Er wollte zurück zu seinen Freunden, wollte nicht mehr allein in einer fremden Welt sein. Mehrere hunderte Kilometer flog er und das Leuchten in der Ferne kam immer näher. Als es schließlich direkt unter ihm war, hörten seine Flügel auf zu schlagen und er sank langsam herab.
Vor ihm stand ein Haus und es sah aus, als wäre es voller Liebe und Wärme. Der Schornstein rauchte und die Fenster waren hell erleuchtet. Auf Zehenspitzen schlich er langsam an das erste Fenster heran, doch er konnte nichts Ungewöhnliches entdecken. Im zweiten Fenster dann, sah er einen Baum stehen, der aussah, wie die Bäume des Ortes, an dem er wach geworden war. Nur das dieser Baum wundervoll geschmückt war. Viele kleine Lichter ließen ihn funkeln und rings um den Baum saßen Menschen. Eine glückliche Familie...

Doch ein Mensch dieser Familie, schien ihm etwas ganz Besonderes zu sein. Er hatte soviel Ähnlichkeit mit Felix selbst, dass er schon fast dachte, er würde in einen Spiegel sehen. Aber der Mensch, den er durch das Fenster sah, war älter als er. Und er hatte dunkle Haare. Dennoch fühlte er sich ihm verbunden, wie noch nie einem Menschen zuvor. Warum das so war, konnte er sich nicht erklären. Er wusste nur, dass er es unbedingt herausfinden wollte.
Er flog um das Haus herum und suchte eine Möglichkeit, in das Haus zu kommen. Als er ein offenes Fenster entdeckte, dachte er nicht lange darüber nach und flog einfach hinein. Der Raum, in welchem er gelandet war, war dunkel, es gab eine Tür, die nur leicht angelehnt war und dahinter schien sanftes Licht zu flackern. Vorsichtig drückte er die Tür auf und flog hindurch. Auf der anderen Seite saßen sie alle. Die Menschen, die er eben noch durch das Fenster beobachtet hatte. Auch dieser eine, besondere Mensch. Ohne Scheu und ohne Angst, flog er direkt vor den Baum und damit in die Mitte all dieser Menschen. Sanft sank er auf den Boden herab und machte einen kleinen Knicks, um sich zu verbeugen. Schließlich war Felix ein höflicher Junge und er wollte diese Leute nicht einfach so überraschen, ohne sich vorgestellt zu haben.

„Hallo. Mein Name ist Felix und ich bin hier, um Euch kennenzulernen“, sagte er. Doch die Menschen sahen durch ihn hindurch. Es war, als wäre er Luft. Sie bemerkten ihn einfach nicht, egal wie viel Mühe er sich gab. Dann allerdings hörte er vor der Tür, durch die er eben noch geflogen war, leise Schritte und im Türrahmen tauchte ein kleines Mädchen auf. Ihre Haare waren ebenfalls dunkler als seine eigenen und sie schien müde zu sein, denn immer wieder rieb sie sich verschlafen die Augen.
„Mama“, sagte sie vorsichtig und ihre Mutter reagierte sofort: „Carli, du bist ja wach.“ Carli lief zu ihrer Mutter und kuschelte sich an sie. Und dann sah sie ihn. Sie entdeckte Felix als Einzige. Er hatte sich mittlerweile ein wenig hinter den Baum zurückgezogen und nun sah sie ihn an und kam zu ihm.

Still und stumm standen sie voreinander. Ihre Münder bewegten sich nicht und doch verstand er, was sie ihm sagen wollte. Sie sagte, sie würde sich freuen, ihn endlich kennenzulernen. Seit Monaten würden sie sich alle schon auf diesen Augenblick freuen. Aber noch war es nicht soweit, gab sie ihm zu verstehen. Außerdem wäre er hier falsch. Es war nicht der Ort, wo er zuerst hin musste. Der lag woanders.
Ob sie ihm sagen könne, wo sich dieser Ort befand, wollte Felix von ihr wissen, doch sie schüttelte zaghaft den Kopf. Das müsse er selbst herausfinden. Wenn er sich noch jetzt auf den Weg machen würde, bekäme er unterwegs auf seiner Suche ein wenig Hilfe. Das versprach sie ihm. Felix dankte Carli und verabschiedete sich. Er wollte gerade Lebe wohl sagen, als sie meinte, sie würden sich schon bald wiedersehen.

Er nahm den gleichen Weg aus dem Haus heraus, wie er reingekommen war. Draußen fühlte er schließlich wieder diese Einsamkeit, die bis dahin komplett verschwunden war. Im Gegenteil, er hatte sich Zuhause gefühlt zwischen all diesen Menschen, von denen ihn einzig Carli gesehen hatte. Wer ihn sah war für ihn trotzdem nicht wichtig, er wusste einfach intuitiv, dass er dort willkommen war.
Aber es nützte nichts. Er musste sich erneut auf den Weg machen. Doch wohin sollte er fliegen? Wieder erhob er sich weit nach oben in die Lüfte und erneut sah er in der Ferne dieses warme Glühen. Er machte sich also wieder auf den Weg und flog los.
Kurz bevor er ankam, bekam er tatsächlich Hilfe, wie Carli prophezeit hatte. Während er einsam vor sich hinflog, tauchte eine kleine Elfe neben ihm auf. Sie schien ihm den Weg zeigen zu wollen und flog voran. Jeder ihrer Flügelschläge erzeugte goldenen Staub, der auf ihn niederregnete. Mit jedem Staubkorn schien er mehr und mehr zu verstehen, was seit seinem Erwachen vor ein paar Stunden mit ihm geschehen war. Er wusste jetzt, wo er hingehörte. Er wusste, was seine Aufgabe war und mit einem Mal war all seine Angst, all seine Einsamkeit verschwunden. Schließlich kamen Felix und seine kleine Elfe an ihrem Ziel an. 
 
Noch einmal fand er sich vor einem Fenster wieder und als er durch dieses Fenster sah, sah er erneut eine Familie, die um einen geschmückten Baum saß. Diesmal waren es weniger Menschen. Nur vier Stück an der Zahl und auch hier hatte er das Gefühl, magisch angezogen zu werden. 
Der ältere Herr, der auf der Couch saß, schien ihm vertraut. Noch vertrauter waren ihm jedoch der Mann mit dem Bart, der in so einem merkwürdigen Stuhl saß, und die Frau, die am anderen Ende der Couch saß. Am Vertrautesten jedoch war ihm die junge Frau, die unter dem Baum kniete und nach und nach die Geschenke verteilte. 
Sie sah ihm sehr ähnlich, wenn auch ihr Haar heller war, als seines. Alle Züge an ihr, waren ihm sehr vertraut. Neugierig flog er noch näher an das Fenster heran und landete schließlich sanft auf dem Balkon. Er presste sein eines Ohr ganz dicht an das Fenster und da hörte er ihre Stimme. Diese Stimme kam ihm so bekannt und vertraut vor, dass er ins Grübeln kam. Und schließlich setzte sich Stück für Stück das Puzzle in seinem Kopf zusammen. Das war die Stimme, die ihn Nacht für Nacht in den Schlaf gesungen hatte - in all den vergangen Monaten. Er hatte gedacht, es wären die Sterne gewesen, doch jetzt erkannte er ihre Stimme wieder. Und jetzt wusste er auch, dass er endlich angekommen war. Er war hier, um seine Bestimmung zu erfüllen. 
 
Die kleine Elfe schwebte noch immer neben ihm und er sah sie fragend an. Sie versuchte ihm zu erklären, dass er sich noch mehrere Wochen gedulden müsste, bis er tatsächlich nach Hause könne, doch er wollte einfach nicht hören. Denn so ein lieber Junge er meist war, so trotzig und stur konnte er auch sein. Und er wollte das alles jetzt, wollte sofort seine Bestimmung erfüllen. Hier und heute. Die Elfe sah schließlich ein, dass sie ihn nicht länger daran hindern konnte und so streute sie ihren letzten Staub über ihn. Vor ihren Augen löste sich Felix langsam in Luft auf und verschwand.

Dann drehte sie sich um und flog zurück in den Himmel. Jedoch nicht, ohne noch einmal zurückzuschauen und sich zu vergewissern, dass die Dinge ihren Lauf nahmen. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie die Haustür aufging und die junge Frau, die sie eben noch beobachtet hatten, heraus kam. An ihrer Seite der Mann mit dem Bart. 

Eilig machten sich die beiden auf den Weg zu einem Auto und schließlich fuhren sie in ein Krankenhaus. Wenige Minuten später kamen die beiden in einem Kreißsaal an. Die junge Frau war schwanger und vor zwanzig Minuten hatten bei ihr die Wehen eingesetzt.
Ganze sechs Stunden später hielt sie endlich einen kleinen Jungen auf dem Arm. Mit goldblondem Haar und smaragdgrünen Augen. Sie strahlte über das ganze Gesicht und ihr Herz füllte sich mit Liebe für dieses kleine Wesen, auf das sie so lang gewartet hatte.

Mittlerweile war auch ihre restliche Familie im Krankenhaus angekommen und schließlich drehte sich die junge Frau erschöpft zu ihrem Vater und flüsterte leise: „Hast du seinen Papa angerufen, dass er kommen muss? Ich will, dass er Felix kennenlernt.“ Erneut lächelte sie und langsam löste sich eine Träne aus ihrem Augenwinkel: „ Ist er nicht ein Engel?“.

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Die Geschichte schrieb ich 2010, kurz vor Weihnachten und ebenso kurz bevor der Zwerg geboren wurde. Ein paar Kleinigkeiten habe ich im Nachhinein abgeändert, also nein, mein Sohn heißt nicht Felix.. ;-)
Ich schrieb die Geschichte damals, um sie meinem Sohn jedes Jahr zu Weihnachten vorzulesen, um eine neue und ganz eigene Tradition zu schaffen, doch leider habe ich das nur an dem einen Weihnachten vor seiner Geburt geschafft. Danach geriet sie in Vergessenheit. Bis heute. Morgen wird er sie zum ersten Mal hören, wo er schon auf der Welt ist und ich bin wahnsinnig gespannt, wie er reagieren wird.

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